Die Violetten – Neues aus der Politik ?

Hab nun, ach, so viel probiert, mal rechts, mal links, mal Mitte, nun steh ich da, ich armer Thor, und lass die Welt alleine vor. Wir lassen die Spezialisten wirken und den Volksmund durch die Medien walten, auf dass Wildwuchs, wenn nötig, bald entfernt wird. Was wollen eigentlich noch eine handvoll Bürger mit ihrer neuen „Partei“, wenn das Spiel von Aufeinanderprallen der Visionen schon längst Passé ist? Denn gut ausgebildete Administratoren aus allen Richtungen, im Einklang mit der Weltgemeinschaft, passen behutsam Schritt für Schritt, aber dafür sicheren Weges, die Geschicke der Nationen an.

 

Das Credo dieser Bürgerbewegung ist: wie fühlst du dich in der Arbeit, am Abend und vor dem Fernseher? Bisher eher unbekannte Inder und Schamanen setzten den Wurm: es ist dein Geburtsrecht glücklich zu sein. Neben den Bemühungen, die eigenen Ansichten zu ändern, verlangt dieser Satz auch Veränderungen in der Lebensführung und damit der gesellschaftlichen Norm. Das klingt wie uralte Glaubenssätze, die uns schon mittelalterliche Katholiken über Glückseligkeit trällerten. Ist hier etwas anders?

 

So wie jeder aus sich selbst heraus abwägen soll, was ihm gut tut, und sich den nun weltweiten Angeboten tabulos zuorientieren darf, sehen die Violetten den nächsten Schritt darin, nicht den etablierten westlichen Wirtschaftsgrößen zuarbeiten zu müssen, sondern den anderen Kulturen und Errungenschaften ihren Wert einzuräumen und bei Bedarf zu integrieren. D.h. dass zum Beispiel im Gesundheitssystem auch asiatische oder indische Heilmethoden von der Krankenkasse übernommen werden sollen. Oder auch, wie es vor den Weltkriegen bei uns war, zu einer Zeit als Deutschland noch die Mehrheit der Nobelpreise bekam, die Universitäten nicht wirtschaftsorientiert handeln sollten, sondern die Disziplinen aus sich heraus und im eigenem Ermessen entwickeln sollten, aus einem ganzheitlichem Blickwinkel heraus. Aus dieser vorerst maßgeblichen Entwirtschaftlichung und Globalisierung der Kulturen ist das ganze Programm der Violetten heraus gewoben. Die ordnungsgebenden Instanzen sind dabei keine Einrichtungen, sondern die Freiheit der Individuen selbst.

 

Wie soll nun das wirtschaftliche Wohl unter diesen Umständen gesichert sein? Neben der Forderung durch eine zinsfreie Zentralbank, keine weiteren Schulden zu generieren, wagt die Violette Partei gemäß ihrem Weltbild einen Schritt, von dem man immer wieder, hier und da, etwas zu hören bekommt. Die Wirtschaft wäre schwerfällig aus ihrer inneren Organisation heraus. Die Mitarbeiter sind Zwängen ausgesetzt, nicht flexibel genug und durch komplizierte hierarchische Strukturen demotiviert. Der eigene Enthusiasmus fehlt, der der Wirtschaft den nötigen Anstoß und nicht zuletzt auch Kreativität geben würde. Die Lösung hierfür sehen die Violetten, wie auch zuletzt aktive Zivilgesellschaften, in einer Umstrukturierung der sozialen Gelder hin zum bedingungslosen Grundeinkommen. Die Gelder sind da, so heißt es. Wie es funktioniert, erklären die Finanzexperten dieser neuen Parteien. Die dadurch entstandene Freiheit und Motivation soll bei Weitem den Anteil der Bevölkerungsgruppe (nach Studien ca. 10 %), welcher nicht arbeiten möchte, ausgleichen.

 

Wem diese Reformen nicht genug sind und wer möchte, dass der Bürger seine Mündigkeit voll und ganz annimmt, für den haben die Violetten noch etwas aufbereitet. Das Prinzip von Wikipedia soll auf die Politik ausgebreitet werden. Wie soll das funktionieren? Wikipedia ist eine offene Enzyklopädie, die von den Bürgern verfasst wurde. Dabei haben Studien ergeben, dass sie weltweit die Enzyklopädie ist, die am wenigsten Fehler und Ungenauigkeiten aufweist. Im Politischen hieße es, dass eine Basisdemokratie in ihren Entscheidungen auf regionaler und bundesweiter Ebene den Bürgern das Mitspracherecht einräumt. Da nicht jeder überall mitmischen kann, entscheidet jeder individuell, wo er per Volksentscheid mitmacht, sodass die Weisheit der Allgemeinheit und nicht die von Lobbys beeinflussten Instanzen die Politik prägen.

 

Luthers Wille, sein eigener Herr zu sein und der von der Aufklärung verkündete Wunsch, dass jeder selbständig denken möge, flammt hier wieder auf. In vielen gesellschaftlichen Bereichen hat er sich bereits etabliert. Psychologen, die sich in exotischen Herangehensweisen ausgebildet haben, coachen nun schon Manager und die Unterhaltungsbranche füttert die nach neuen Weltbildern hungernden Seelen mit keltischen, schamanischen und mystischen Geschichten. Wird die neue Spiritualität nun aus den Kinosälen und psychologischen Zentren kommen und immer mehr unseren Alltag prägen? Sind ihre Lösungsansätze fundiert genug, um den Nerv der Zeit zu treffen?

 

Wer darüber mehr erfahren will, kann am ersten Dienstag des Monats zur politisch meditativen Runde der Violetten kommen (siehe Termine Oberbayern).

 Verfasser: E. Cartier

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Kommentare (2)

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  1. AlphaOmega sagt:

    Ich bin ganz deiner Meinung!!

  2. Kesho das sagt:

    auch wenn der artikel hier der einzige ist….es ist alles drin. Freiheit für Bayern und den Rest der Welt!!!